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Unmenschliche Forschung

January 31, 2010

Ich habe Ihren Artikel [Unmenschliche Forschung] gelesen und fand ihn ausgezeichnet.

Ein kleiner Fehler unterlief Ihnen:[Sie schreiben],
“Ungefähr 400.000 Menschen wurden zwangssterilisiert, davon 95 Prozent vor Beginn des Zweiten Weltkrieges. Dieses Euthanasieprogramm wurde dann 1939, mit dem Einmarsch in Polen, in mobilen Gaskammern perfektioniert. Bis August 1941 wurden so 70.273 Menschen Opfer der Euthanasie, das war ein Prozent der deutschen Bevölkerung.”

Das ist falsch. Es handelte sich um ein Promille, nicht ein Prozent.

Nichtsdestotrotz bin ich froh über Ihren Beitrag zur Information einer Generation, die das alles nicht erlebt hat.

— Fritz Szoncsó, Frankreich

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Arthur Kronfeld

January 31, 2010

Ich bin auf der Suche nach Web-Infos zu JOHANNA FANTOVA auf Ihre Seiten gekommen und fasziniert auf ihnen hängengeblieben; besonders hat mich Ihr Engagement für die Erinnerung an Raoul Wallenberg imponiert — kein Wunder: Ich bin gewissermaßen ‘ein Kollege im Geiste’ von Ihnen.

Ich versuche im kleineren Rahmen dasselbe für einen jüdischen Kollegen, [dem Psychiater und Psychotherapeuten ARTHUR KRONFELD, der im Berlin der 20er Jahre, aber auch weit darüber hinaus, ein sehr bekannter Mann, ein Pionier in vieler Hinsicht, war. […]

Mit meinen kleinen Mitteln und glücklicher Unterstützung anderer — vor allem von dem, der zu [Kronfelds] Andenken meinen Gedenkartikel zu seinem 100. [Geburtstag], vor bald 20 Jahren, auf seine Internetseite gestellt und schön ausgestaltet hat — kämpfe ich unverdrossen gegen [Kronfelds] ‘Vergessen’ an (www.sgipt.org/gesch/kronf.htm), so dass jetzt schon etliches im Internet über ihn, sein Leben und seine Leistung zu finden ist. […]

Vielleicht gibt es ja mal einen Anlass, wo Sie Infos über Kronfeld brauchen könnten. Jedenfalls möchte ich sie bitten, Gelegenheiten, an ihn zu erinnern, ihrerseits zu nutzen.

— Ingo-Wolf Kittel, Augsburg

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Kreisauer Kreis

January 31, 2010

ULRICH VON HASSELL gehörte definitiv nicht zum KREISAUER KREIS. Die Kreisauer waren durchweg Zivilisten. Es waren überhaupt keine Berufsoffiziere in dieser Gruppe, und schon gar nicht hatten sie “hohe militärische Posten”. Es gab lediglich einige Reserveoffiziere, die nach Beginn des Krieges eingezogen worden waren (Peter Yorck, Hans Peters, Theodor Steltzer).

Es gab das legendäre Treffen im Januar 1943 zwischen den Konservativen und den Kreisauern. Darüber haben wir Berichte von Moltke (Briefe an Freya), von Hassell (Tagebuch) und Gerstemaier (Erinnerungen). An diesem Abend war nicht nur Harmonie, da flogen auch die Fetzen. Im Laufe des Jahres 1944 sind nach der Verhaftung Moltkes und unter dem wachsenden Handlungsdruck die Kontakte sicher enger geworden, was man daraus erkennen kann, dass am 20. Juli eine ganze Reihe der Kreisauer involviert waren (Yorck, Trott, von Haeften, Gerstenmaier, bis zur Verhaftung Anfang Juli auch Leber und Reichwein), andere sich bereit hielten, bestimmte Aufgaben zu übernehmen (Haubach, Steltzer u.a.).

Ich will gern glauben, dass sich von Hassell innerhalb der Goerdeler-Beck-Gruppe als derjenige gesehen hat, der am stärksten für eine Annäherung und ein Zusammengehen mit den Kreisauern plädiert hat und deshalb kompromissbereiter als andere war. Aber zum Kreisauer Kreis kann man ihn deshalb nicht zählen.

Die Kreisauer wurden nicht alle entdeckt, verurteilt und hingerichtet. Genauer gesagt: Durch Justizmord starben 8 von etwa 24, die man zur Gruppe zählen muss (Helmuth James von Moltke, Peter Yorck, Alfred Delp, Adam von Trott, Hans Bernd von Haeften, Julius Leber, Adolf Reichwein, Theo Haubach).

Carlo Mierendorff starb bei einem Bombenangriff im Dezember 1943. Theodor Steltzer hatte ein Todesurteil, das aber nicht vollstreckt wurde. (Er verdankt seine Rettung der Intervention skandinavischer Freunde, eine abenteurliche Geschichte für sich.) Lothar König versteckte sich vor der Gestapo in einem ungeheizten Keller und starb kurz nach dem Krieg an den gesundheitlichen Folgen. Auch Augustinus Rösch konnte sich verstecken, obwohl er steckbrieflich gesucht war. Horst von Einsiedel, dem die Gestapo nicht auf die Spur gekommen war, wurde im Herbst 1945 in der SBZ als “amerikanischer Spion” festgenommen und verschwand auf Nimmerwiedersehen im riesigen Reich des Gulag.

Andere (Hans Lukaschek, Paulus van Husen) wurden nach dem 20. Juli verhaftet und gefoltert, kamen aber erst im April 45 – in der letzten Sitzung des “Volksgerichtshofes” – vor Gericht und erhielten Zuchthausstrafen, was in der gegebenen Situation Lebensrettung bedeutete (die sowjetischen Truppen standen schon vor Berlin, Freisler lebte nicht mehr). Andere blieben gänzlich unbehelligt, manche wie durch ein Wunder (Harald Poelchau, Hans Peters, Heinrich Otto von der Gablentz).

Einige der Frauen kamen nach dem 20. Juli in “Sippenhaft” (Annedore Leber, Clarita von Trott, Marion Yorck, Barbara von Haeften).

— Ludwig Mehlhorn, Berlin

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Heimat Berlin?

January 31, 2010

Ich habe, eher zufällig, einige Ihrer Artikel gelesen, die mir, wenn Sie mir diesen Kommentar erlauben, sehr gefallen haben.

Sie sind wohl, wie ich, in West-Berlin aufgewachsen. Die besonders beschleunigte Veränderung Berlins trägt dazu bei, dass West-Berlin als “Heimatort” und “Unikum” jetzt sehr in die geschichtliche—und somit auch jeweils betont in die biografische Vergangenheit—gerückt ist. Berlin ist nicht mehr die unverfälschte Kulisse der Jugend, die wir herkömmlich bereisen können, wenn einem je diese Melancholie befällt.

Aber was bedeutet Ihnen Heimat? Sprache, Licht und Landschaft, die Geräusche der U-Bahn, ein freundliches Wortkolorit Ihres Nachbarn, der Ort der Ahnen, Israel und bald der Broadway? Ich wünsche mir gelegentlich ein Zurück und gleichzeitig festigt sich die Einsicht, dass ich niemals zurück kommen werde. Wo die Reise beginnt, führt sie auf anderem Weg zurück.

[…]

Ich hatte den Eindruck, dass Ihre geschilderten Erlebnisse mit deutschen Praktikanten (Sprache als Brücke) in der Redaktion auf eine nicht repräsentative Naivität (der Praktikanten) schliessen lassen.

Vielleicht hoffe ich auch nur, dass ich damit recht habe und wenn nein, gäbe es berechtigte Hoffnung auf lösbare Probleme.

— Holger

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Meine Aufarbeitung der Geschichte

January 31, 2010

Ich bin 19 Jahre alt und komme aus Berlin. Ich habe schon sehr viel von Ihnen und Ihrer großartigen Arbeit gehört. Nach meinem “jugendlichen Verständnis” setzen Ihre wirklich beeindruckenden Arbeiten in der Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der Jüdischen Geschichte weitere Meilensteine.

Ich beschäftige mich mit der Recherche über ehemalige Synagogen in den neuen Bundesländern; eine für mich wirklich spannende, interessante und schwierige Aufgabe und Herausforderung zugleich, an der ich mehr und mehr wachse. Das Wichtigste für mich, und ich hoffe auch für nachfolgende Generationen, ist die Erinnerung und die Verantwortung, die stets Bestandteil meines Lebens sind und auch bleiben werden.

— Lennard Krueger

Ich freue mich sehr, dass Sie die Aufarbeitung der Geschichte so wichtig und ernst nehmen, denn das ist, als Vertreter der Nachkriegsgeneration, unsere bleibende Aufgabe.

Ich wünsche Ihnen alles Gute bei der Recherche. Bitte halten Sie mich auf dem Laufenden. Sie werden sicher wissen, dass das Ziel, das Sie sich vorgenommen haben, nicht leicht zu erreichen sein wird, und Sie manchmal auf Widerstand, Unverständnis und Animosität stossen werden. Lassen Sie sich dennoch nicht beirren!

— Tekla Szymanski

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Hans Litten als Vorbild

January 31, 2010

Wir sind eine Gruppe von Pfadfindern in Hamburg, die sich, auf der Suche nach einem Menschen, der uns Vorbild sein kann, 1998 an die Mitarbeiter der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald wandte. Dort wurden wir mit dem Leben und Sterben Hans Littens konfrontiert…ja, das kann man so ausdrücken.

Wir [36 Kinder und Jugendliche] waren sofort gefangen von diesem Menschen. Seither sind wir auf der Suche nach Informationen über HANS LITTEN.

— Horst Schröder

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Deutsche Juden, Jüdische Deutsche

January 31, 2010

Ich bin sehr entäuscht, dass sich die Begriffe Deutsch vs. Jude immer noch halten, auch von Menschen die es besser wissen sollten. Es gibt auch deutsche Juden, bzw. jüdische Deutsche. Duch diese Abgrenzung in Worten wird kein Dialog hergestellt oder gefördert.

— Peter Giefer

Sie haben Recht. Aber Ihr Vorschlag ist ja auch nur wieder eine semantische Abgrenzung.Irgendwann sollten wir alle “nur” noch Deutsche sein. So wie man nicht von christlichen Deutschen spricht, braucht man dann auch nicht mehr jüdische Deutsche oder deutsche Juden sagen.

Aber ich fürchte, bis dahin ist es noch ein langer Weg. Lassen wir erstmal die Bezeichnung “jüdische Mitbürger” weg, dann wäre schon ein grosser Schritt getan!

— Tekla Szymanski